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Glossar

Begriffe der Gesundheitsförderung, kurz erklärt.

28 Begriffe rund um Prävention im Arbeitsleben. Die Kennzeichnung AT oder DE zeigt dir, für welches Land ein Begriff gilt. Jede Zahl und jede Rechtsgrundlage ist mit ihrer Quelle verlinkt.

As of: 23.9.2026

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A

AbsentismusAT · DE

Fernbleiben von der Arbeit, im engeren Sinn wegen Krankheit. Gemessen wird Absentismus über Krankenstands- oder Arbeitsunfähigkeitstage, in Österreich etwa im Fehlzeitenreport. Das Gegenstück ist Präsentismus: Wer krank arbeitet, taucht in keiner Fehlzeitenstatistik auf.

ArbeitsfähigkeitAT · DE

Beschreibt, wie gut die Anforderungen einer Arbeit und die gesundheitlichen und persönlichen Voraussetzungen eines Menschen zusammenpassen. Arbeitsfähigkeit kann sich verändern, wenn sich die Arbeit ändert oder die Gesundheit. Für Prävention ist sie deshalb eine brauchbare Zielgröße: Sie fragt, ob jemand seine Arbeit weiter gut machen kann.

Arbeitsplatzevaluierung(Evaluierung)AT

Pflicht jedes Arbeitgebers in Österreich nach § 4 ASchG. Er ermittelt die Gefahren für Sicherheit und Gesundheit, beurteilt sie und legt Maßnahmen fest. Seit 1.1.2013 nennt das Gesetz psychische Belastungen ausdrücklich mit. Mehr dazu im Leitfaden zur Evaluierung psychischer Belastungen.

AUVAsicherAT

Kostenlose Präventionsbetreuung der AUVA für Arbeitsstätten mit bis zu 50 Beschäftigten. Die Betreuung läuft über neun Präventionszentren in ganz Österreich.

B

Betriebliche Gesundheitsförderung(BGF)AT · DE

Die Luxemburger Deklaration des Europäischen Netzwerks für BGF beschreibt sie als alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Sie setzt an drei Stellen an: an Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen, an der aktiven Beteiligung der Beschäftigten und an persönlichen Kompetenzen.

In Deutschland unterstützen die Krankenkassen BGF nach § 20b SGB V. In Österreich begleiten die ÖGK und das Netzwerk BGF Betriebe dabei kostenlos.

Betriebliches Eingliederungsmanagement(BEM)DE

Gesetzliche Pflicht in Deutschland nach § 167 Abs. 2 SGB IX. Sind Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig oder teilweise arbeitsunfähig, klärt der Arbeitgeber mit ihnen, wie die Arbeitsunfähigkeit überwunden und einer erneuten vorgebeugt werden kann. Die Teilnahme ist für die Beschäftigten freiwillig. In Österreich gibt es kein gleichnamiges Verfahren. Dort helfen fit2work und die Wiedereingliederungsteilzeit.

Betriebliches Gesundheitsmanagement(BGM)AT · DE

Der Rahmen, in dem ein Betrieb Gesundheit dauerhaft steuert. Das deutsche Bundesgesundheitsministerium nennt drei Säulen: Betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeitsschutz und Betriebliches Eingliederungsmanagement. BGF ist also ein Teil davon. In Österreich wird der Begriff ähnlich verwendet.

BGF-ChartaAT

Absichtserklärung, mit der ein österreichischer Betrieb sich zu den Grundsätzen der Gesundheitsförderung bekennt. Sie ist die erste von drei Stufen des Österreichischen Netzwerks BGF, danach folgen Gütesiegel und BGF-Preis. Beantragt wird sie über die regionale Servicestelle.

BGF-GütesiegelAT

Auszeichnung des Österreichischen Netzwerks BGF für Betriebe, die Gesundheitsförderung nach 15 Qualitätskriterien umsetzen. Ein unabhängiges Institut prüft, das Siegel gilt drei Jahre. Die Zertifizierung ist laut ÖGK kostenlos.

BGF-KoordinierungsstelleDE

Gemeinsame regionale Anlaufstelle der Krankenkassen nach § 20b Abs. 3 SGB V. Sie informiert Arbeitgeber über Angebote zur Gesundheitsförderung, klärt, welche Krankenkasse zuständig ist, und berät kostenlos, mit zusätzlicher Unterstützung für kleine Betriebe.

E

Evaluierung psychischer BelastungenAT

Teil der Arbeitsplatzevaluierung. Erfasst werden die Arbeitsbedingungen in vier Dimensionen: Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten, Arbeitsabläufe, Arbeitsumgebung und Arbeitsorganisation. Befinden, Gesundheit oder Zufriedenheit einzelner Menschen gehören laut AUVA nicht dazu. Nach Vorfällen mit erhöhter arbeitsbedingter psychischer Fehlbeanspruchung muss die Evaluierung überprüft werden (§ 4 Abs. 5 ASchG). Das deutsche Gegenstück ist die Gefährdungsbeurteilung.

F

FehlzeitenreportAT · DE

In Österreich erstellt das WIFO jährlich den Fehlzeitenreport. Laut Ausgabe 2026 waren Versicherte im Jahr 2025 im Schnitt 14,7 Kalendertage im Krankenstand, 2024 waren es 15,1. Psychische Erkrankungen machen rund 11,8 Prozent aller Krankenstandstage aus.

In Deutschland gibt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) den Fehlzeiten-Report heraus. Für 2024 meldet es 23,9 Arbeitsunfähigkeitstage je AOK-versichertem Beschäftigten, psychische Erkrankungen verursachten 12,5 Prozent der Fehltage.

fit2workAT

Kostenlose Beratung für Menschen, deren Arbeitsfähigkeit gesundheitlich gefährdet ist, und für Betriebe jeder Größe. Getragen wird fit2work von Sozialministerium, AMS, Sozialministeriumservice, AUVA, ÖGK und PVA.

Fonds Gesundes Österreich(FGÖ)AT

Bundesweite Förderstelle für Gesundheitsförderung, Teil der Gesundheit Österreich GmbH. Er fördert Projekte mit bis zu 80 Prozent der anerkennbaren Kosten. Seit 2026 fördert er keine Einzelbetriebe mehr bei der Einführung von BGF. Aktuelle Calls stehen im Förderüberblick.

G

GamificationAT · DE

Der Einsatz von Spielelementen wie Punkten, Stufen, Teamzielen oder Belohnungen außerhalb von Spielen. In der Prävention soll Gamification helfen, dass Menschen eine neue Gewohnheit über Wochen beibehalten. Dafür sollten die Aufgaben zum Alltag der Zielgruppe passen, und niemand darf bloßgestellt werden.

GefährdungsbeurteilungDE

Pflicht des Arbeitgebers in Deutschland nach § 5 ArbSchG. Er beurteilt die Gefährdungen einer Tätigkeit und leitet Maßnahmen ab. § 5 Abs. 3 Nr. 6 nennt ausdrücklich psychische Belastungen bei der Arbeit. Eine Anleitung dazu gibt die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA).

K

KohorteAT · DE

Alle Menschen, die in einem bestimmten Zeitraum in ein Programm gestartet sind. Wer Wirkung pro Kohorte misst, vergleicht jede Person mit ihrem eigenen Startpunkt und sieht, wie viele nach vier, acht oder zwölf Wochen noch dabei sind. So entsteht ein ehrliches Bild, auch wenn laufend neue Teilnehmende dazukommen.

L

Leitfaden PräventionDE

Regelwerk des GKV-Spitzenverbands. Er legt fest, welche Präventionsleistungen die gesetzlichen Krankenkassen fördern dürfen, auch in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Aktuell gilt die Fassung vom 17. Dezember 2025.

P

Personenbetreuung(24-Stunden-Betreuung)AT

Selbständiges Gewerbe in Österreich. Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer arbeiten im Haushalt der betreuten Person. Die WKO zählte zum 31.12.2025 genau 57.109 aktive Mitgliedschaften im Berufszweig Selbständige Personenbetreuung (Personen mit mehreren Mitgliedschaften sind mehrfach gezählt). Als Gewerbetreibende sind sie nach dem GSVG versichert. Einen Arbeitgeber, der sich um ihre Gesundheit kümmert, haben sie nicht. Darum geht es im Leitfaden zur Prävention ohne Arbeitgeber.

PräsentismusAT · DE

Arbeiten trotz Krankheit. Anders als Krankenstände wird Präsentismus in Betrieben nicht erfasst, weil die Menschen ja anwesend sind. Im Fehlzeiten-Report 2021 des WIdO gaben 13,2 Prozent der befragten AOK-Versicherten an, entgegen dem Rat ihres Arztes krank zur Arbeit gegangen zu sein. Wer krank arbeitet, riskiert längere Ausfälle später und steckt im Zweifel andere an.

Präventionsgesetz(PrävG)DE

Das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention vom 17. Juli 2015. Es verbessert die Zusammenarbeit von Sozialversicherungen, Ländern und Kommunen und verknüpft betriebliche Gesundheitsförderung enger mit dem Arbeitsschutz.

PräventionszeitAT

Die Zeit, die Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsmedizinerinnen nach § 82a ASchG im Betrieb verbringen müssen: 1,2 Stunden pro Beschäftigtem und Jahr an Büroarbeitsplätzen, 1,5 Stunden an anderen Arbeitsplätzen. Bis zu 25 Prozent davon dürfen an andere geeignete Fachleute gehen, zum Beispiel an Arbeitspsychologinnen.

R

Return on Investment in der Prävention(ROI)AT · DE

Verhältnis von Nutzen zu Kosten einer Präventionsmaßnahme. Der iga.Report 28 wertet Übersichtsarbeiten aus und nennt für betriebliche Gesundheitsförderung ein Verhältnis von 1 zu 3,27 bei eingesparten medizinischen Kosten und 1 zu 2,73 bei krankheitsbedingten Fehlzeiten. Der iga.Report 40 hat die Studienlage für die Jahre 2012 bis 2018 aktualisiert und bestätigt den positiven Nutzen. Solche Werte sind Durchschnitte über viele Programme, für einen einzelnen Betrieb sind sie keine Zusage.

S

SalutogeneseAT · DE

Der Blick darauf, was Menschen gesund hält, statt nur darauf, was sie krank macht. Der Begriff geht auf den Medizinsoziologen Aaron Antonovsky zurück. Das österreichische Einkommensteuergesetz verwendet ihn: Zielgerichtete, wirkungsorientierte Gesundheitsförderung (Salutogenese) und Prävention, die der Arbeitgeber allen Beschäftigten oder bestimmten Gruppen anbietet, ist unter den Bedingungen von § 3 Abs. 1 Z 13 lit. a EStG steuerfrei.

Steuerfreibetrag für Gesundheitsförderung(§ 3 Nr. 34 EStG)DE

In Deutschland sind Leistungen des Arbeitgebers zur Gesundheitsförderung bis 600 Euro pro Beschäftigtem und Kalenderjahr steuerfrei, wenn sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden und den Anforderungen der §§ 20 und 20b SGB V entsprechen. Einzelne Präventionskurse müssen dafür zertifiziert sein, meist über die Zentrale Prüfstelle Prävention.

V

Verhältnis- und VerhaltenspräventionAT · DE

Verhältnisprävention verändert die Bedingungen, also Arbeitsorganisation, Abläufe und Umgebung. Verhaltensprävention setzt beim einzelnen Menschen an, etwa bei Bewegung, Schlaf oder Ernährung. Das ASchG gibt eine Richtung vor: Kollektive Schutzmaßnahmen haben Vorrang vor individuellen (§ 7 Z 8). Gute Programme verbinden beides.

W

WiedereingliederungsteilzeitAT

Österreichisches Modell für die Rückkehr nach längerem Krankenstand (§ 13a AVRAG). Voraussetzung sind mindestens sechs Wochen Krankenstand und mindestens drei Monate Dienstverhältnis. Die Arbeitszeit wird für ein bis sechs Monate um mindestens ein Viertel und höchstens die Hälfte reduziert, aber nicht unter zwölf Wochenstunden. Eine Verlängerung um ein bis drei Monate ist einmal möglich.

Z

Zentrale Prüfstelle PräventionDE

Gemeinsame Stelle mehrerer Krankenkassen, die Präventionskurse einheitlich prüft und zertifiziert. Eine Zertifizierung gilt drei Jahre. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Kurse von Krankenkassen bezuschusst werden oder nach § 3 Nr. 34 EStG steuerfrei bleiben.